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Eine Bühnenperformance für zwei Tänzerinnen
Konzept, Choreografie | Willi Dorner
Performerinnen | Britt Kamper, Esther Baio
Video | Adnan Popović
Musikkomposition | Florian Kmet
Klangregie |Paul Ebhart
Technische Leitung | Alexander Wanko
Kostüme, Requisite | Emanuela Panucci
Produktion | Roma Janus
Koproduziert vom Tanzquartier Wien.
Gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien
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Eine Live Cam verfolgt das Geschehen auf der Bühne und überträgt die Aktion auf einen Screen. Dabei stehen das digitale Bild und die Live-Aktion nebeneinander. Die beiden Bilder sind aber nicht zwangsweise ident, sondern divergieren manches Mal. Die Aktion wird abgebildet, wieder als Bild auf den mobilen Screen eines Handys rückgespielt und erscheint als Bild im Bild und über weitere Rückkoppelungsschleifen wieder als Bild im Bild im Bild. Also wie die Weizenkörner in der, im Stück vorkommenden, indischen Schachlegende, die immer und immer wieder verdoppelt werden. Der Performanceraum wird zur Schnittstelle von leiblicher und virtueller Realität.
Bereits in Willi Dorners letztem Bühnenstück, dem Duett „one“ war die Aktion der beiden Performerinnen auf die Vermittlung durch das Bild ausgerichtet. “many” thematisiert auch die Selbstmedialisierung, den zwanghaften Ausstellungsdrang, es scheint, als müssten wir alles zum Bild machen. Vor allem unser Gesicht untersteht dem „ikonische(n) Zwang zum Bild zu werden“. Das Gesicht, also das Bild von uns selbst oder dem was wir von uns zeigen möchten, und dessen Veränderungs- und Adaptionsmöglichkeiten dank zahlreicher virtueller Tools – zumindest im Bild – mittlerweile ebenfalls unendlich geworden sind. Es lässt sich mit einer Erschaffung eigenen Doppelgängers assoziieren. „Mit Doppelgänger meint man jemand, von dem man wähnt, er könne sich zu gleicher Zeit an zwei verschiedenen Orten zeigen. Doppelgänger auch wo(h)l Doppeltgänger“(Brüder Grimm)
„WINDOWS ist nicht mehr allein ein Computer Programm: es wird zum Symbol für die allmählichen Verwandlungen des Realen zum Imaginären.“ (Hannes Böhringer)
Das Imaginäre als transformierte neue Realität führt zur Marginalisierung der interpersonalen Kommunikation in unserer Gesellschaft.
Wo ist die Grenze zwischen dem Imaginären und dem Realen?
Die Distanz zwischen der virtuellen und der analogen Realität ist also aufgehoben. Die virtuelle Realität ist unser Alltag geworden, eine Selbstverständlichkeit. So wird unser Leben durch digitale Informationen begleitet, beobachtet und ergänzt.
„many“ bezieht sich auf das Ineinandergreifen von virtueller und analoger Realität. Die Performance verweist dabei auch auf die Rückkoppelungsschleifen, die wir tagtäglich im Umgang mit digitalen Tools erleben. „many“ zeigt die Auflösung unseres Selbst im digitalen Bild, das nur mehr als Anordnung von kleinsten digitalen Einheiten gelesen wird, hin zu einem desindividualisierten „man“, das in seiner digitalen Auflösung zur Vervielfachung desselben wird.
2018
Impulstanz, Wien, Österreich – preview / studio version
Tanzquartier Wien, Österreich – premiere

